Wettbretter: Definitionen

Über Wett­bret­ter gab es bis zum Jahr 2016 so gut wie kein schrift­lich fest­ge­hal­te­nes Wis­sen. Es fehlt an ver­bind­li­chen Beschrei­bun­gen und Fest­le­gun­gen. Das möch­ten wir mit die­sem Pro­jekt ändern. Begon­nen wur­de es Mit­te 2018. Seit­dem sam­meln wir Schritt für Schritt Fak­ten und erar­bei­ten eine Definition.

Die aktu­el­le, nicht end­gül­ti­ge Defi­ni­ti­on von Wett­bret­tern lautet:

Wett­bret­ter wer­den als äus­se­re Gebäu­de­ver­klei­dung genutzt. Meh­re­re Wett­bret­ter bil­den einen fes­ten Ver­bund in Form einer Wand. Eine sol­che Wett­brett­wand dient als Schutz vor Schlag­re­gen und ande­ren Wettereinflüssen.

Die Län­ge eines Wett­bretts kann zwi­schen zir­ka 40 cm und 110 cm vari­ie­ren. Die Brei­te ist eben­falls unter­schied­lich, in der Regel zwi­schen 10 cm und 20 cm.

Ein Wett­brett ist über die Brei­te kei­lig gesägt. An der Längs­sei­te haben Wett­bret­ter Nut und Feder.  Über­ein­an­der ange­brach­te Wett­brett­rei­hen über­lap­pen sich.

(Stand: 17. April 2019)

Nun ist es inter­es­sant zu sehen, wie sich unse­re Sicht­wei­se im Lau­fe der Zeit ver­än­dert, ja, hof­fent­lich prä­zi­siert hat. Die­se Ver­än­de­run­gen beru­hen auf vie­len Gesprä­chen, die wir geführt haben. Dar­un­ter waren Besit­zer von Wett­brett­wän­den, Her­stel­ler (von denen es noch weni­ge gibt) und älte­re Men­schen, die sich noch an die vie­len Säge­wer­ke in der Regi­on erin­nern kön­nen, in denen Wett­bret­ter pro­du­ziert wur­den. Zu doku­men­ta­ri­schen zwe­cken has­ten wir die­se Ergeb­nis­se fest in einem

Versuch einer Definition, V1.0

1. August 2016

Es ist ein kei­li­ges Brett, zir­ka 100 cm lang (±20 cm, es sind im Oden­wald aber auch kür­ze­re auf­ge­taucht) und hat Nut und Feder. Es wird als äus­se­re Gebäu­de­ver­klei­dung genutzt und dient als Schutz.

Rückblick

August 2016: Ver­si­on 1.0
Die Ver­si­on 1.0 beruh­te auf vier Quellen:

  1. Ansich­ten von Wett­brett­wän­den im Birstei­ner Umfeld,
  2. Gesprä­chen mit Interessierten,
  3. dem Bau zwei­er eige­ner Wett­brett­wän­de und
  4. Infor­ma­tio­nen aus Gesprä­chen mit zwei Her­stel­lern von Wett­bret­tern. In die­sen Gesprä­chen wur­de jedoch — damals man­gels tie­fe­rer Kennt­nis­se — nicht kon­kret oder gar gezielt nachgefragt.

Versuch einer Definition, V1.1

29. August 2016

Ein Wett­brett ist ein kei­li­ges Brett. Die Län­ge kann zwi­schen 40 cm und 110 cm vari­ie­ren. Es wird als äus­sere Gebäu­de­ver­klei­dung genutzt und dient als Schutz vor Schlagregen.

Ende August 2016: Ver­si­on 1.1
Vor allem die Beschäf­ti­gung mit den Aus­füh­run­gen von Chris­ti­ne H. Bau­er, deren Ergeb­nis­se im Bei­trag „Die Refe­renz“ zu lesen sind, führ­ten dazu, dass die Defi­ni­ti­on 1.0 nicht mehr halt­bar war. Auch die Fun­de von kür­ze­ren Wett­bret­tern waren ein neu­er Aspekt, eben­so die noch nicht geklär­te Fra­ge, ob es ähn­lich kon­stru­ier­te Wän­de gibt, bei denen auf Nut und Feder ver­zich­tet wurde.


Versuch einer Definition, V1.2

21. Sep­tem­ber 2016

Wett­bretter wer­den als äus­sere Gebäu­de­ver­klei­dung genutzt und die­nen als Wand in einem fes­ten Ver­bund als Schutz vor Schlag­re­gen. Ein ein­zel­nes Wett­brett ist über die Brei­te kei­li­g gesägt. Die Län­ge eines Bretts kann zwi­schen zir­ka 40 cm und 110 cm vari­ie­ren. An der Längs­sei­te haben Wett­bret­ter Nut und Feder. Über­ein­an­der ange­brach­te Wett­brett­rei­hen über­lap­pen sich.

Sep­tem­ber 2016: Ver­si­on 1.2
Wie­der sind ein paar Wochen ver­gan­gen. Wir haben seit­dem Dut­zen­de Wett­brett­wän­de an diver­sen Orten gefun­den. Dabei haben wir gelernt, Wett­brett­wän­de bes­ser von ande­ren Fas­sa­den-Holz­ver­klei­dun­gen zu unter­schei­den — und genau­er hinzuschauen.

Die Defi­ni­ti­on ist umfang­rei­cher, aber auch prä­zi­ser gewor­den: Erst­ma­li­ge wur­de die Funk­ti­on auf­ge­nom­men, die Eigen­schaf­ten wur­den genau­er beschrie­ben. Nut und Feder wur­den als typi­sche Merk­ma­le aufgenommen.

Die spe­zi­fi­sche Kon­struk­ti­on einer Wett­brett­wand mit der typi­schen Über­lap­pung von hori­zon­ta­len Wett­brett­rei­hen wur­de als Unter­schei­dungs­kri­te­ri­um zu ein­fa­chen Bret­ter­wän­den festgelegt.


Kurze Wettbretter

kur­ze Wett­bret­ter in Schlüchtern

Auf die im Jahr 2016 auf­ge­fal­le­nen kur­zen Wett­bret­ter sind wir mitt­ler­wei­le öfter gestos­sen. Deut­lich am wei­tes­ten ver­brei­tet sind zwar Wett­bret­ter von zir­ka einem Meter Län­ge, die kür­ze­ren Bret­ter kann man aber nicht mehr als beson­de­re Aus­nah­me dar­stel­len. Viel­mehr ist anzu­neh­men, dass die Gege­ben­hei­ten vor Ort aus­schlag­ge­bend waren, eher kur­ze Wett­bret­ter ein­zu­set­zen als län­ge­re. Hier­zu wird es noch ein paar Aus­füh­run­gen geben.

Nut und Feder
Auch bei offen­sicht­lich sehr alten Wett­brett­wän­den konn­ten wir fest­stel­len, dass die­se immer Nut und Feder hat­ten. Die Irri­ta­ti­on, ob es Wett­brett­wän­de ohne Nut und Feder geben könn­te, kam vor allem daher, dass bei man­chen Wän­den die Nuten weit­ge­hend ver­rot­tet waren (häu­fig nur die dem Wet­ter zuge­wand­te Sei­te der Nut). Die­se Fäl­le wur­den bis­her nicht foto­gra­fisch doku­men­tiert. Das hier gezeig­te Foto ist kein gutes Bei­spiel, zeigt aber immer­hin, dass die Nute nicht immer auf den ers­ten Blick erkenn­bar sind.

Nicht immer ist die Nut klar zu erkennen.

Ins­be­son­de­re jedoch bei der Betrach­tung aus der Distanz enstand manch­mal der Ein­druck, dass es sich zwar um über­lap­pen­de Bret­ter­wän­de han­del­te, jedoch Nut und Feder fehl­ten. Bei nähe­rem Anse­hen ent­deck­ten wir dann jedoch immer Res­te der Nute.

Unab­hän­gig davon ist aller­dings noch nicht geklärt, wie eini­ge Fun­de im Oden­wald in die­ses Erklä­rungs­mus­ter pas­sen.  Dies muss bei Gele­gen­heit vor Ort unter­sucht werden.

Als Zwi­schen­fa­zit ist fest­zu­hal­ten: Nach Zwei­feln wur­den Nut und Feder wie­der in die Defi­ni­ti­on auf­ge­nom­men. Die Eigen­schaft der Über­lap­pung der ein­zel­nen Rei­hen wur­de in die Defi­ni­ti­on neu aufgenommen.

Doku­men­ten­in­for­ma­ti­on
Stand des Doku­ments: 5. Janu­ar 2020
Autor: Frank Jermann

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Lesestoff

Vor 2016, dem Start dieses Projekts, ist dies die einzige Referenz zu Wettbrettern: Der Aufsatz von Christine H. Bauer. Er war einst auf den Webseiten des hessischen Landesamts für Denkmalschutz zu lesen. [zum Artikel]
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